Maya Siebert


„Das kann ich besser“
Maya Siebert und ihre Ironman-Premiere auf Hawaii

Oktober auf Hawaii. 35 Grad. Flirrende Hitze und brütende Sonne lassen den Asphalt der Marathonstrecke glühen. Über die schwarzen Lavafelder der Radstrecke fegt trockener, heißer Wind. Die Luftfeuchtigkeit ist hoch, ebenso der Wellengang des Pazifiks. Und mittendrin: Maya Siebert. 22 Jahre alt, Triathletin aus Mülheim-Kärlich. Zum ersten Mal beim Ironman Hawaii.

Die charakteristischen klimatischen Bedingungen sind extrem und machen den Ironman in Kailua-Kona zum wohl härtesten Wettkampf der Welt. Der legendäre Triathlon, offiziell Ironman World Championship, gilt als ultimative Prüfung der Ausdauer und mentalen Stärke. Rund 2500 Spitzensportler nehmen jährlich daran teil, um sich der Langdistanz zu stellen: 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren, 42,2 Kilometer Marathonlauf. Hinzu kommt das tropische Klima, das auch erfahrene Profis an ihre Grenzen bringt. Nicht alle Athleten erreichen das Ziel. Rund ein Viertel muss den Wettkampf aus gesundheitlichen Gründen abbrechen.

Aufgeben ist keine Option
Die Hitze macht Maya wenig aus, sie fühlt sich körperlich und mental gut vorbereitet. Doch dann kommen plötzlich die Probleme: starke Magenschmerzen und Schmerzen im Fuß. Bis dahin liegt sie unter den Top Ten, zeitweise sogar auf Rang fünf. Doch immer wieder muss sie auf der Marathonstrecke kurze Gehpausen einlegen. Das kostet Zeit.

Trotzdem schafft sie es. Als Zwölfte von insgesamt 50 Athletinnen in der Altersklasse der 18- bis 24-Jährigen passiert sie nach 10 Stunden und 47 Minuten die Ziellinie. Zufrieden ist sie mit diesem Ergebnis jedoch nicht. „Das kann ich besser“, sind Mayas erste Gedanken. „Ich war im Ziel und wusste, ich möchte das nochmal machen“, berichtet sie. „Dass ich nicht ganz fit war, hat mich letztendlich eine bessere Platzierung gekostet. Wirklich ärgerlich, weil ich weiß, dass ich mehr kann.“ Was sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß: Sie hat den Ironman mit zwei Ermüdungsbrüchen im Fuß absolviert.

Zwangspause für einen Sportjunkie
Zurück in Deutschland werden die Schmerzen kontinuierlich stärker. Sie geht zum Arzt. Das MRT bringt schließlich Gewissheit: zwei Frakturen im Mittelfußknochen. „Der Arzt hat mich völlig fassungslos angesehen, als er erfuhr, dass ich damit den Triathlon bestritten habe“, erzählt sie lachend. „Scheinbar habe ich ein ziemlich geringes Schmerzempfinden.“

Die Diagnose bedeutet für sie eine Zwangspause. Schwer auszuhalten für jemanden wie Maya, der – wie sie selbst sagt – süchtig nach Sport ist. Sport ist für sie kein Ausgleich, sondern Selbstverständlichkeit. „Ich kann mir ein Leben ohne Sport nicht vorstellen. Ich bin damit aufgewachsen und kenne es gar nicht anders.“ Ein Abend auf der Couch klingt für sie nach Höchststrafe. „Selbst Ruhetage sind für mich schon eine Qual“, schildert sie. „Da gibt es nur eine lockere Schwimmeinheit.“ Im Leistungssport bedeutet das: drei Kilometer schwimmen pro Tag plus Techniktraining.

Liebe zum Sport von klein auf
Mayas Karriere beginnt schon sehr früh. Sie wächst in einer sportbegeisterten Familie auf und tritt mit fünf Jahren dem Koblenzer Schwimmverein bei. Schwimmen kann sie da bereits. „Das Schwimmen sollte eigentlich nur gefestigt werden“, erinnert sie sich schmunzelnd. Mit acht Jahren wechselt sie zum SC Poseidon, wo die Schwimmtrainer schnell auf Mayas außergewöhnliches Talent aufmerksam werden. Schwimmen wird zum Leistungssport. Es folgen erste Wettkämpfe. Mit 10 Jahren wird sie Vizemeisterin im Jugendmehrkampf bei der Rheinlandmeisterschaft. Unzählige Meisterschaften folgen, bei denen sie immer einen Platz auf dem Podest erreicht.

Vom Schwimmbecken zum Triathlon
Kaum zu glauben, dass sie erst vor zwei Jahren mit dem Triathlon angefangen hat. „Während Corona konnte ich natürlich nirgendwo schwimmen gehen. Also habe ich mir Alternativen gesucht, bin laufen und Radfahren gegangen. So kam ich zum Triathlon.“ Im November 2023 wechselt sie zum Triathlonverein SRL Koblenz. Mit Ehrgeiz, Disziplin und Zielstrebigkeit trainiert sie – und erbringt auch hier schnell außergewöhnliche Leistungen.

Im vergangenen Juni nimmt sie an der Ironman Europameisterschaft in Hamburg teil und erreicht als Dritte in ihrer Altersklasse das Ziel. Ein starkes Ergebnis und gleichzeitig die Eintrittskarte für den Ironman Hawaii. Denn nur die besten Triathleten qualifizieren sich für dieses Event.

Zwischen Schreibtisch und Startlinie
Maya strotzt vor Energie und Begeisterung. Sie bereitet sich unter Anleitung ihres Trainers Maximilian Rohde intensiv auf Hawaii vor. Das bedeutet: 20 bis 25 Stunden Training pro Woche – manchmal sogar mehr. Und das alles neben ihrer Vollzeitstelle als Kauffrau im Gesundheitswesen. „Ich habe sehr großes Glück mit meinem Arbeitgeber“, sagt sie. „Durch Gleitzeit, Homeoffice und flexible Urlaubsregelungen ist der Leistungssport überhaupt erst möglich.“ Auch die Kollegen unterstützen sie und fiebern mit ihr mit. „Als ich nach Hawaii zurück ins Büro kam, war mein Schreibtisch geschmückt und mit Glückwünschen übersät“, erinnert sie sich gerührt.

Doch durch die Arbeit sind ihre Erholungsphasen deutlich kürzer als bei Profisportlern. „Das macht sich auf jeden Fall auch bei meiner Leistung bemerkbar“, schildert sie. Langfristig möchte sie eine Karriere als Profisportlerin in den Mittel- und Langdistanzen starten. „Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg. Um vom Sport leben zu können, braucht man Sponsoren. Die bekommt man aber erst, wenn man entsprechende Ergebnisse liefert. Und selbst dann muss man noch aktiv auf Firmen zugehen und anfragen.“

Für Hawaii konnte sie bereits Sponsoren finden. Ohne diese Unterstützung wäre die Teilnahme nur schwer möglich gewesen. Neben einer Startgebühr kommen noch Kosten für Anreise, Verpflegung und vor allem für die richtige Ausrüstung hinzu, die den Anforderungen des Leistungssports genügen muss. Da kommen schnell einige tausend Euro zusammen.

Große Ziele, klarer Plan
Das Ergebnis auf Hawaii ist für Maya Ansporn und Inspiration zugleich. Schon seit Längerem befindet sie sich wieder in einer intensiven Trainingsphase. Die nächsten Wettkämpfe stehen vor der Tür. Starts bei internationalen Mitteldistanzrennen beispielsweise. Vor allem aber der Ironman in Portugal, der über ihre erneute Qualifizierung für Hawaii 2027 entscheiden wird.

Im Fokus des Trainings steht nun die Verbesserung ihrer Bestzeiten. Ihr klares Ziel für Hawaii: „Ich möchte nächstes Jahr Weltmeisterin in meiner Altersklasse werden“, sagt sie ohne Zögern. Wenn man sie so sieht, das Strahlen im Gesicht und das Leuchten in den Augen, hat man keinen Zweifel daran, dass sie ihr Ziel erreichen wird. Auch der Aufstieg in die Profiliga ist sicher nur eine Frage der Zeit. Denn für Maya geht es jetzt erst richtig los.

KONTAKT
siebert.maya@gmx.de
Instagram: @maya.sbrt

Text: Jasmin Rumpf I Fotos: Johannes von Eichel, Lauro Mannchen, V. Schroer, privat