Jule Menzel-King


Heimat im Herzen, Bühne im Blick
Jule Menzel-King über ihren Weg vom Dorf auf die Leinwand – und wieder zurück nach Hause

Im Westerwald kennt man sich. Man grüßt sich, man begegnet sich auf der Straße und bei Dorffesten – und manchmal steht dort schon früh jemand auf der Bühne, der später seinen Weg weit über die Region hinaus findet. Eine von ihnen ist Jule Menzel-King. Die 25-Jährige, geboren in Koblenz und aufgewachsen in Nauort im Westerwald, hat ihren Traum von hier aus in die Welt getragen – und ist doch ihrer Heimat stets verbunden geblieben.

„Hauptsache Bühne“
Für Jule stand eigentlich nie die Frage im Raum, ob sie auf die Bühne gehört. Eher nur, wann. Musik war in ihrem Leben von Anfang an selbstverständlich. Ihre Mutter war selbst als Sängerin im Ort bekannt und stand unter anderem auf den Kirmes- und Karnevalsbühnen – die kleine Jule mittendrin. „Irgendwann hieß es ganz selbstverständlich: Willst du nicht mal mitsingen?“, erinnert sie sich. „Kurz darauf stand ich dann auch alleine bei Karnevalsveranstaltungen auf der Bühne. Das gehörte einfach dazu. Parallel habe ich in der Grundschule Schulmusicals gespielt. Hauptsache Musik, Hauptsache Bühne.“

Dass daraus einmal ein Beruf werden könnte, wollte sie lange nicht wahrhaben. „Ich hatte Angst, mir den Spaß kaputtzumachen.“ Ihr ursprünglicher Traum: Hebamme werden. Doch als es mit dem Ausbildungsplatz nicht klappte, führte ihr Weg sie zu einem Freiwilligen Sozialen Jahr an die Städtische Bühne Lahnstein. Dort fiel die Entscheidung – leise, aber klar. „Da war plötzlich dieser Moment, in dem alles Sinn ergab. Ich wusste: Das ist mein Job.“

Nach dem FSJ folgte daher eine Ausbildung zur Musicaldarstellerin. Gesang, Schauspiel, Tanz: die Vielseitigkeit des Berufs reizte sie besonders. Hier lernte sie, sich auf ihren eigenen Körper, ihre Stimme und auf sich selbst zu verlassen. Das Beste dabei: Diese Zeit fühlte sich nie wie eine klassische Ausbildung an, sondern wie das Privileg, genau das lernen zu dürfen, was ihr wirklich Spaß macht. Von dieser Leidenschaft angetrieben ging es direkt weiter – Stillstand war nie eine Option. „Man ist als Künstlerin eigentlich nie fertig“, erklärt Jule ihre Entscheidung, im nächsten Schritt eine Schauspielausbildung in Köln zu absolvieren. Lernen, wachsen, Erfahrungen sammeln – das sei immer ihr Antrieb gewesen. Und dieser Ehrgeiz sollte schon bald belohnt werden.

„Moin, ich bin Jule.“
2023 schaffte es Jule als Teil von „Manta Manta – Zwoter Teil“ unter der Regie von Til Schweiger auf die Kinoleinwand. Was mit einer spontan beantworteten Casting-Anfrage begann, entwickelte sich zu einem filmreifen Erlebnis. Chauffeur, eigener Backstagebereich am Set, Premieren in Köln und Berlin – und plötzlich Begegnungen mit Schauspielern, die man sonst nur aus dem Kino kennt.

Ein Moment ist Jule besonders im Gedächtnis geblieben: Kurz vor ihrer Szene kam Til Schweiger auf sie zu, stellte sich mit einem lockeren „Hi, ich bin Til“ vor – und sie antwortete ebenso trocken mit „Moin, ich bin Jule“. Er schaute sie an, lächelte und sagte: „Ja, ja, ich weiß.“ Für einen kurzen Augenblick blieb für sie die Zeit stehen. „Da wäre ich innerlich fast rückwärts umgekippt“, erzählt sie lachend. „Weil er einfach wusste, wer ich bin.“ Ein Satz, beiläufig gesagt – und doch einer dieser Momente, die zeigen, dass aus einem Traum plötzlich Realität geworden ist.

Auch in der Heimat blieb ihr Leinwandauftritt nicht unbemerkt. Bekannte schickten Fotos aus dem Kino und fragten ungläubig: „Moment mal, bist du das?“ Sogar ehemalige Mitschüler meldeten sich schmunzelnd und behaupteten, sie hätten schon immer gewusst, dass Jule irgendwann auf der großen Leinwand landen würde.

Der Film selbst wurde ein großer Erfolg: Bereits am ersten Wochenende lockte „Manta Manta – Zwoter Teil“ rund 370.000 Besucher in die Kinos und setzte sich damit an die Spitze der deutschen Kino-Charts – das beste Start-Ergebnis eines deutschen Films im Jahr 2023. Nur wenige Wochen später wurde die Millionengrenze überschritten, bis zum Jahresende zählte der Film rund 1,25 Millionen Zuschauer und gehörte damit zu den erfolgreichsten deutschen Produktionen des Jahres 2023. Für Jule bedeutete das: Teil eines Projekts zu sein, das bundesweit für Aufmerksamkeit sorgte.

„Hier ist meine Base“
Trotz Premierenfeeling und rotem Teppich ist Jule mit beiden Füßen auf dem Boden geblieben – und der liegt nach wie vor in der Heimat. Die Jahre in Frankfurt, Hamburg und Köln waren wichtig und prägend – und doch auch ein kleiner Kulturschock. „In der Großstadt ist man erst mal völlig anonym. Alles ist hektischer, lauter, schneller und niemand grüßt sich. Mir passiert es bis heute, dass ich einfach ‚Hallo‘ sage, wenn mir jemand entgegenkommt. Die Reaktionen sind dann manchmal, sagen wir mal – überrascht. Im Dorf ist das normal, in der Stadt eher nicht“, erzählt sie schmunzelnd.

Aus diesem Grund lebt sie inzwischen seit rund einem Jahr wieder in Koblenz. „Hier ist meine Base“, betont sie. Ihr berufliches Leben spielt sich heute vor allem hier ab: Engagements, unter anderem an der Landesbühne Rheinland-Pfalz in Neuwied, Unterricht an Musikschulen, ein eigener Schauspielkurs und ihre 80er-Jahre-Tribute-Band „Sky Dynamo“. Für Jule ist die Heimat kein Ort, den man verlassen muss, um künstlerisch zu wachsen – sondern einer, an dem sich beides verbinden lässt: große Träume und vertraute Wurzeln.

Vorhang auf für die Zukunft
Und die Zukunft? Die sieht sie vor allem auf der Konzertbühne. Singen ist und bleibt ihre größte Leidenschaft, das, was sie erdet und am stärksten mit sich selbst verbindet. Alles andere – Film, Theater, neue Projekte – darf gerne weiterhin dazukommen. Doch im Mittelpunkt steht für sie immer die Musik. Sie hat gelernt, dass Hingabe Mut braucht – und manchmal auch ein dickes Fell.

Allen, die große Träume in sich tragen, gibt sie deshalb eine klare Botschaft mit: losgehen, ausprobieren, dranbleiben – und sich vor allem nichts ausreden lassen. „Es gibt Menschen, die können mit Leidenschaft nichts anfangen, weil sie selbst noch nichts gefunden haben, wofür sie brennen“, macht sie deutlich. Entscheidend sei, trotzdem an sich zu glauben. Denn eines sei schlimmer als jedes Scheitern: irgendwann sagen zu müssen: „Ach, hätte ich mal.“

KONTAKT
Instagram: @julemenzelking_
www.juleking.de

Text: Dora Speicher / Fotos: Sonja Lipka, Burgspiele Braubach, Schlosstheater Neuwied , Manta Manta, Theater Lahnstein, Sky Dynamo Band, privat