Es gibt Momente, da bin ich kurz davor, mich wie ein Kind auf den Boden zu schmeißen und ganz laut zu schreien. Aber wahrscheinlich komme ich dann nicht mehr hoch. Im Kopf bin ich zwar Berufsjugendliche, aber körperlich klopft gefühlt schon das Seniorenheim an die Tür. Warum genau wollten wir nochmal erwachsen werden? Ich nehme jedenfalls alles zurück. Ich möchte bitte nicht aus dem Bällebad abgeholt werden.
Erwachsen sein: Alle spielen eine Rolle, aber keiner hat das Drehbuch. Mein Film trägt den Titel „Mit der Gesamtsituation überfordert“. Arbeit, Termine, Formulare, Versicherungen, Haushalt und diese verdammte Steuererklärung – alles Dinge, über die man in der Schule nichts lernt. Wenn ich für jede von mir umgebrachte Pflanze ein Kreuz aufstellen würde, sähe mein Garten wie ein Friedhof aus. Adulting als Unterrichtsfach wäre also wirklich sinnvoll. Lektion 1: Wie man seine Telefon-Angst überwindet. Lektion 2: Wie diese Work-Life-Balance funktioniert, von der wir ja alle angeblich viel zu viel haben.
Für mich lassen sich Erwachsene in drei Kategorien einteilen: Es gibt normale Erwachsene, die auch nicht perfekt sind, aber immerhin ein Ei aufschlagen können, ohne dass Schale im Teig landet. Dann gibt es Premiumerwachsene, die Google in menschlicher Form sind und scheinbar für alles eine Lösung haben. Und dann gibt es da mich, die sicherheitshalber nochmal nachliest, wie man Kartoffeln kocht. Man weiß ja nie.
„Du hast dein Leben nicht im Griff!“, schreit meine innere Stimme mich oft an. Aber wisst ihr was? Erwachsen sein ist keine Persönlichkeit! Man darf sich selbst einfach nicht zu ernst nehmen und Perfektion ist sowieso langweilig. Immerhin kann mir jetzt niemand mehr verbieten, mitten in der Nacht ein Nutellabrot zu essen. Und mein Zimmer muss ich auch nicht mehr aufräumen, wenn ich dazu keine Lust habe. So sieht meine Wohnung allerdings manchmal auch aus. Ich weigere mich jedenfalls, mein inneres Kind gehen zu lassen. Am Ende tun doch sowieso alle nur so, als hätten sie das Erwachsensein verstanden.